Heinsberger Platt im Mundart-Atlas und als digitale Schatzkammer im Internet

Heimatvereine versuchen, das Plattdeutsche zu erhalten. Jetzt ist der Mundart-Atlas in der zweiten Auflage erschienen. Außerdem wird die Muttersprache digital mit „Oos Platt“ bewahrt, aber auch analog bei Live-Abenden lebendig.
Als Beten noch half, zum ersten Mal die 25-kerzige Leuchtbirne gefahrlos zum Glühen zu bringen, sprach man noch Platt miteinander. Doch obwohl sich vieles verändert hat, seit das elektrische Licht die Öllampe und das Hoch- das Plattdeutsche abgelöst haben, bleibt die Mundartsprache doch ein erhaltenswertes Kulturgut, um das sich vor allem die Heimatvereine mit verschiedenen Projekten bemühen.
Der Mundart-Atlas der Arbeitsgemeinschaft der Heimat- und Kulturvereine im Kreis Heinsberg ist ein solches Projekt. Die erste Auflage des „Mundart-Atlas zwischen Schwalm und Rur bis zur Maas“ mit 3000 Exemplaren hatte im November 2024 NRW-Ministerin Ina Scharrenbach persönlich mit aus der Taufe gehoben. Das Land hatte den in analoger und digitaler Form erarbeiteten Mundart-Atlas mit 137.000 Euro gefördert. Nun liegt die kostenlos erhältliche zweite Auflage des Mundart-Atlas mit 2000 Exemplaren bei Kreissparkasse und Volksbank bereit.
Hans-Josef Heuter, Geschäftsführer des Heimatvereins Schafhausen und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Mundart-Atlas, verweist auf die besonderen Möglichkeiten der digitalen Version dieser Publikation, die unter www.mundartatlas.de im Internet aufgerufen werden kann. Der Vorteil gegenüber der gedruckten Darstellung bestehe darin, stets neue Beiträge eingestellt werden könnten.
Aktuell arbeitet die Arbeitsgemeinschaft Mundart-Atlas daran, Beiträge aus der Heftreihe „Oos Platt“, die der damalige Arbeitskreis für Mundartpflege in den Jahren 1981 bis 2012 herausgab, ins Netz zu stellen. 64 Hefte mit mehr als 1500 Erzählungen, Gedichten und Bauernregeln waren erschienen und bilden einen immensen Fundus, aus dem jeder schöpfen kann, der am Plattdeutschen unserer Region interessiert ist. Eine eigene Internetseite „Oos Platt“ mit einer umfangreichen Datenbank ist derzeit im Aufbau.
Ziel des Arbeitskreises ist es nun, möglichst viele Texte aus „Oos Platt“ so im Mundart-Atlas zu präsentieren, das auch nicht Eingeweihte ein Verständnis entwickeln können, sprich eine Übersetzung ins Hochdeutsche soll mitgeliefert werden. Da steht eine Menge Arbeit an. Die Fremdleistungen bei diesem Online-Projekt werden über drei Heimatchecks pro Jahr, jeweils 2000 Euro, in den Jahren bis 2027 gefördert. Bei der Übersetzung gelangt auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Die KI habe sich schon so weit schlau gemacht, stellte Heuter fest, dass die Übersetzungen ins Hochdeutsche gelingen würden. In drei Jahren könnte die Hälfte der in den 64 Heften vorhandenen Texte übersetzt sein.
Parallel werden derzeit bei den Mundart-Live-Abenden des Heimatvereins Schafhausen, die vor neun Jahren ins Leben gerufen wurden und sich großer Beliebtheit erfreuen, vermehrt Texte aus „Oos-Platt“ vorgetragen und in Bild und Ton aufgezeichnet. Auch diese Dokumente sollen über die digitale Version des Mundart-Atlas zugänglich gemacht werden.
Die Geschichte wie in Schafhausen die 25-kerzige Leuchtbirne anging, stammt übrigens von der Autorin Fia Busch und ist eine von vielen, die im Mundart-Atlas zu finden ist. Fia Busch hatte sie 1993 in Heinsberger-Kernland-Platt aufgeschrieben und berichtete darin über das Jahr 1911, als ihr Großvater „Küppere Lu-i“ die stinkige Öllampe satthatte und auch elektrisches Licht haben wollte. Die Großmutter wollte das Teufelszeug aber nicht im Haus haben. Als die Leitungen aber dennoch von den Strommasten zum Haus gespannt und im Haus verlegt waren, musste nur noch der Lichtschalter angeknipst werden. Den spannenden Moment verbrachte Oma Soffie den Rosenkranz betend in ihrer Kammer. Als die 25-kerzige Leuchtbirne (25 Watt-Birne) problemlos das Haus taghell erleuchtete, kam Oma Soffie raus, überzeugt davon, dass ohne ihr andächtiges Gebet das Haus ganz sicher abgebrannt wäre.
Mehr aus „Oos Platt“ gibt es beim 25. Mundarttreff des Heimatvereins Schafhausen in Kooperation mit der VHS am Mittwoch, 22. April, um 19 Uhr in der Mehrzweckhalle Schafhausen. Der Abend steht unter dem Motto „Oos Platt en all die Tijte“ (Unser Platt durch alle Zeiten).
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